Safer Internet Day 2021

Am 09.02. war der Safer Internet Day (SID) 2021. Das diesjährige Motto des SID lautete „Was glaube ich? – Meinungsbildung zwischen Fakt und Fake“. Dass die Frage, wie durch Meinungsmache im Netz beeinflusst wird, auch mit dem zusammenhängt, was Menschen preisgeben, löst in den Schülerworkshops des Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit (LfDI) Rheinland Pfalz  immer wieder einen großen Aha-Effekt aus. In den Veranstaltungen wird den Schülerinnen und Schülern daher erklärt, wie das, was sie „posten“ und „liken“ zur Profilbildung beiträgt und warum sie dann personalisierte Informationen erhalten. Dass nicht mehr nur kommerzielle Firmen unterwegs sind, sondern auch politische Stimmungsmache betrieben wird, hat sich im vergangenen Jahr so deutlich wie nie gezeigt. Der Landesdatenschutzbeauftragte Professor Dieter Kugelmann sagt: „Falschinformationen und Verschwörungsmärchen funktionieren immer dann am besten, wenn sie die Interessen der oder des Adressierten möglichst gut treffen. Gerade weil Kinder und Jugendliche die Social-Media-Dienste sehr stark für ihre Kommunikation und Selbstdarstellung innerhalb der Gruppe der Gleichaltrigen nutzen, sind sie hier leicht angreifbar und besonders verwundbar.“ Weiter sagt Kugelmann. „Unsere Veranstaltungen an Schulen, die wir seit zehn Jahren anbieten, haben daher zum Ziel, Schülerinnen und Schülern aufzuzeigen, wie sie ihre persönlichen Daten vor den Zugriffen anderer und vor Manipulation schützen können und warum sie bei der Selbstdarstellung im Netz lieber einmal zu oft als einmal zu wenig kritisch nachdenken sollten.“

Bild von Gordon Johnson

In Zeiten der pandemiebedingten Schulschließungen muss auch der Bereich der Medienkompetenzvermittlung von den Schulen anderes umgesetzt werden. Daher finden die Workshops des LfDI aktuell als Online-Schulung statt. Unter Nutzung von Videokonferenzsystemen, etwa dem landeseigenen BigBlueButton-System, lassen die Referentinnen und Referenten des LfDI die Klassen auf die Suche nach Cookies, nach Spuren im Netz und den Datensammlungen  der Lieblings-Apps gehen. Interaktive Werkzeuge, Umfragetools und Online-Gruppenaufgaben sorgen in den Seminaren für  Abwechslung.

Gerade weil die Schülerinnen und Schüler sich nun verstärkt mit Online-Lernen und Online-Kommunikation beschäftigen, sind die Fortbildungen zum Schutz ihrer Privatsphäre für sie sehr wichtig. Das Angebot steht allen Schulen in Rheinland-Pfalz daher auch in diesem Schuljahr – sei es als Online-Workshops oder bald wieder in Präsenz– zur Verfügung.

Eine weitere Aktion zum SID 2021 kam von Schülerinnen und Schüler des Strittmatter-Gymnasiums Gransee. Unter der Überschrift „Gemeinsam für ein besseres Internet“ haben die Schülerinnen und Schüler dazu kurze Videos geschaffen, die gerade junge Menschen zum Nachdenken anregen sollen. Unterstützt wurde das Projekt vom Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz, der Landesdatenschutzbeauftragten, der DigitalAgentur Brandenburg (DABB), der Medienanstalt Berlin-Brandenburg und dem Medieninnovationszentrum Babelsberg (MIZ).

Zur Vorbereitung auf die Dreharbeiten bot das MIZ einen Workshop zum Thema Home Producing an und leistete Unterstützung bei der Postproduktion. Von der Idee, übers Drehbuch bis zur Realisierung konnten die Jugendlichen alles selbst erarbeiten und eigene Fragen, Beobachtungen und Erlebnisse in kleine Filme umsetzen. Ein Film zeigt eine Bewerbungssituation, in der sich die hochgeladenen Partyfotos nachteilig für die Bewerberin auswirken, in einem zweiten Film entstehen Fake-News durch ein Missverständnis, das dritte Video zeigt, wie wichtig Datenschutz- und Cookie-Einstellungen beim Surfen im Netz sind, denn die junge Protagonistin kommt in Erklärungsnot, weil sie Werbung für Schwangerschaftstests und Babynahrung erhält.

Ursula Nonnemacher, Verbraucherschutzministerin: „Ohne zu belehren werden die Jugendlichen mit ihrer Arbeit selbst zu Botschafterinnen und Botschaftern für das wichtige Thema Datenschutz im Internet: das Netz vergisst nicht und schnell wird ein kurzer Klick, ein Like oder ein unbedachtes Selfie zum Problem. Ich wünsche mir, dass diese tollen Videos von vielen Jugendlichen, aber auch allen Brandenburgerinnen und Brandenburgern gesehen werden und dass wir dadurch die Themen Datenschutz und besserer Umgang mit dem Internet ein Stückchen mehr ins Bewusstsein tragen können.“

Dagmar Hartge, Landesdatenschutzbeauftragte: „Die engagierten Fragen der Jugendlichen haben mir gezeigt, dass sie durchaus kritisch im Internet und in den Sozialen Medien unterwegs sind. Das gemeinsame Videoprojekt soll diese Herangehensweise stärken. Es vermittelt anhand anschaulicher Beispiele, welche digitalen Spuren wir hinterlassen und welche Datenschutzrisiken daraus entstehen können. Die Jugendlichen haben aber auch deutlich herausgearbeitet, was junge Menschen tun können, um sich sicher im Netz zu bewegen. Ihre Videos haben jede Menge Klicks verdient.“

Daniela Lehmann, stellvertretende Geschäftsführerin DABB: „Digitale Verbraucherkompetenz und Selbstverantwortung sind gerade bei Jugendlichen in der heutigen Zeit wichtig. Hierzu wollen wir einen Beitrag leisten. Die kurzen Videos, die von Jugendlichen für Jugendliche sind, sorgen für Know-how-Transfer auf einfache Art und Weise und sensibilisieren gerade diese Zielgruppe für den Umgang mit ihren Fotos und persönlichen Informationen in Social Media und für manipulierte, vorgetäuschte Nachrichten im Internet.“

Neben den drei Spielszenen führten die Jugendlichen online-Interviews, in denen sie sich mit Ministerin und Datenschutzbeauftragter über Datenschutz und Datensicherheit, den richtigen Umgang mit Cookies und unsichere Websites unterhielten.

Alle Videos sind auf der Homepage des MSGIV abrufbar.

Die Pressemitteilungen der Landesbeauftragten für den Datenschutz und für das Recht auf Akteneinsicht Brandenburg können hier abgerufen werden.